Inflation und Reallohn: Warum mehr nicht immer mehr ist

Inflation und Reallohn: Warum mehr nicht immer mehr ist

Eine Gehaltserhöhung von drei Prozent klingt gut. Steigen die Preise im selben Jahr aber um vier Prozent, ist unterm Strich weniger im Portemonnaie. Wer nur auf die Bruttozahl schaut, übersieht, was wirklich zählt: die Kaufkraft.

Nominal- und Reallohn auseinanderhalten

Der Nominallohn ist die Zahl auf dem Vertrag. Der Reallohn beschreibt, was man sich davon tatsächlich leisten kann. Steigt der Nominallohn langsamer als die Preise, sinkt der Reallohn – trotz Erhöhung. Genau das ist in Jahren hoher Inflation passiert, und viele haben es erst gemerkt, als das Geld knapper wurde.

Was das für die Verhandlung bedeutet

  • Den Inflationsausgleich einplanen: Eine Erhöhung sollte den Kaufkraftverlust mindestens ausgleichen, um wirklich ein Plus zu sein.
  • Den Zeitraum betrachten: Wer mehrere Jahre keine Anpassung hatte, hat real verloren – ein legitimes Argument.
  • Einmalzahlungen einordnen: Eine steuerfreie Sonderzahlung hilft kurzfristig, hebt aber das Grundgehalt nicht dauerhaft.

Langfristig denken

Wichtig ist die dauerhafte Anhebung des Grundgehalts, nicht die einmalige Geste. Eine Einmalzahlung verpufft, eine Erhöhung des Fixums wirkt jedes Jahr und ist die Basis für künftige Steigerungen. Beim Verhandeln sollte deshalb das Fixum im Mittelpunkt stehen.

Den Reallohn im Blick zu behalten, schützt vor einer verbreiteten Täuschung: dem Gefühl, mehr zu verdienen, während faktisch weniger übrig bleibt. Wer seine Erhöhungen an der Preisentwicklung misst, verhandelt klüger – und merkt rechtzeitig, wenn ein scheinbares Plus in Wahrheit ein Minus ist.